Zucht und Aufzucht
Die Geschlechtsreife eines Pferdes tritt im zweiten Lebensjahr ein, die Stute bleibt über ihr fünfzehntes Lebensjahr hinaus fruchtbar, während Hengste praktisch ihr ganzes Leben lang sexuell aktiv sein können. Das Pferd ist das ganze Jahr über fortpflanzungsfähig, aber in der Zeit von Februar bis Juli ist der sexuelle Trieb am stärksten und die Brunstperiode der Stute „*die Rosse*“ zwischen April und Juni am intensivsten. Ein Hengst sollte während der Decksaison täglich höchstens für zwei Begattungen eingesetzt werden. Die Rosse der Stute erstreckt sich mit Vor- und Nachrosse auf fünf bis sieben Tage, der Abstand von einer Rosse zur anderen beträgt 21 bis 28 Tage. Bei der rossigen Stute schwellen die äußeren Geschlechtsorgane an, die Schleimhäute der Scheide röten sich und sondern eine zähe Flüssigkeit ab; die Stute ist während dieser Zeit unruhig, geht mit erhobenem Schweif und schlägt schnell aus. Der Hengst ist während der Deckperiode oder Decksaison ebenfalls unruhig, wiehert oft und durchdringend, sein Geschlechtsorgan ist häufig erigiert.
Die Wahl eines Züchters bei der Paarung von Pferden basiert auf der künstlichen Selektion und muss sowohl morphologische als auch funktionelle Faktoren berücksichtigen. Bei Rennpferden spielt sich die Selektion auf der Rennbahn bei den sogenannten Leistungsprüfungen (im Galoppsport „Pattern Races“ genannt) ab.
Wenn eine Stute trächtig ist, zeigen sich schon bald die ersten Anzeichen: Sie ist ruhiger, ihr Appetit wächst, das Euter vergrößert sich und ab dem fünften Monat wird der Bauch rund und schwer. Die Tragzeit dauert etwa 11 Monate. In dieser Zeit darf die Stute keine schweren Arbeiten verrichten, aber auch nicht unbeschäftigt bleiben; ein goldener Mittelweg hat sich am besten bewährt. Im letzten Monat soll man sich auf tägliche Spazierritte beschränken. Nähert sich der Zeitpunkt der Geburt, wird die Stute unruhig, ihr Blick ängstlich, das Euter wird hart; sie legt sich häufig hin, um gleich darauf wieder aufzustehen.
Bei der Geburt, die meist im Liegen erfolgt, öffnen sich die Schamlippen, worauf zuerst die Wasserblase erscheint und die Geburtswege weitet. Sie platzt beim Erreichen des Scheideneingangs und macht mit ihrer Flüssigkeit die Geburtswege gleitfähig. Die Fruchtblase wird sichtbar. Bei Normallage liegt das Fohlen mit dem Kopf auf den ausgestreckten Vorderbeinen. Nun beginnen die Presswehen, die immer heftiger werden. Mit dem Durchkommen des Kopfes durch das Becken ist die Geburt schon fast abgeschlossen.
Die Stute steht auf, sodass sich die Eihäute öffnen und die Nabelschnur reißt. Einen Monat nach der Geburt kann die Stute wieder ihre normale Arbeit aufnehmen; zwischen dem 5. und 9. Tag nach dem Abfohlen wird die Stute wieder rossig und kann erneut befruchtet werden.
Die Stute säugt ihr Fohlen sechs bis sieben Monate lang, dann muss das Fohlen entwöhnt werden. Im Freien geht das unter der aufmerksamen Obhut der Mutter ganz natürlich vor sich, während das Fohlen im Gestüt allmählich und behutsam von der Mutter getrennt werden muss.
Zwillingsgeburten
- Geringe Überlebenschance: Die Wahrscheinlichkeit, dass beide Fohlen eine Zwillingsgeburt gesund überleben, liegt bei nur etwa 1 zu 1.000. Oft ist ein Fohlen deutlich kleiner oder gar nicht lebensfähig.
- Hohes Risiko: Eine Zwillingsträchtigkeit ist gefährlich für die Stute und die Fohlen. Da die Gebärmutter meist nicht genug Platz und Nährstoffe für zwei bietet, kommt es häufig zu Fehlgeburten (oft um den 7. Monat) oder Komplikationen bei der Geburt
- Gezielte Vermeidung: Züchter lassen Stuten frühzeitig per Ultraschall untersuchen. Wird eine Doppelträchtigkeit entdeckt, wird meist ein Embryo manuell entfernt („Abdrücken“), um die Überlebenschancen des verbleibenden Fohlens zu sichern.
- Häufigkeit: Während etwa 1-2 % aller Geburten Zwillinge sind, sind eineiige Zwillinge mit einer Chance von ca. 1 zu 100.000 ein absolutes biologisches Wunder.



